Schulhund

geschrieben von Monja

Nachdem ich meine schulische Laufbahn im Mai 2011 mit dem Abitur abgeschlossen hatte, war ich mir noch unsicher, was ich danach tun sollte. Um nichts zu überstürzen, aber meine Zeit zugleich sinnvoll zu nutzen, beschloss ich mich dazu, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Mir bot sich die Gelegenheit dies an einer Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung zu machen. Hier sollte ich also mit Klassenassistenz und Nachmittagsbetreuung den Kindern helfen und die Lehrkräfte unterstützen.
Durch eigene Recherchen und Unterstützung durch die Lehrerin der ersten Klasse, bei der ich hauptsächlich aushelfe, habe ich einen Weg gefunden, um meine „Arbeit“ und den Tierschutz miteinander zu verbinden. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich für das Vertrauen bedanken, dass mir auch der Schulleiter entgegen brachte, sodass das „Projekt Schulbesuchshund“ erst möglich wurde.

Schulhunde im Einsatz

© Animalia

Auch wenn der Begriff „Schulhund“ für die meisten unbekannt ist, assistieren schon seit mittlerweile rund 40 Jahren Hunde als vierbeinige Pädagogen an manchen Schulen den Lehrern und das mit überraschend positivem therapeutischem Einfluss. Vor allem auf psychisch kranke Kinder haben die Tiere eine fördernde Wirkung, da sie eine entspannte Atmosphäre schaffen und jedem Menschen vorbehaltlos begegnen.
Hunde können die Lernleistung von Kindern verbessern, wobei dies von Kind zu Kind unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Die kleinen „Störenfriede“, die schnell auch aggressiv gegenüber ihren Mitschülern reagieren, werden durch die Anwesenheit eines Hundes oft beruhigt; die schüchternen Schüler hingegen trauen sich, sich über das Tier im Klassenzimmer mehr einzubringen.
Die Eigenschaft eines Hundes jedem Kind unvoreingenommen zu begegnen, egal welche Noten sie haben, egal ob sie sich hyperaktiv oder zurückgezogen verhalten, ist der Schlüssel zum Erfolg. Es schafft eine perfekte Ebene, um sofort Vertrauen fassen zu können. Der Hund spürt die Stimmung der Kinder und reagiert dementsprechend auf den Seelenzustand der Kinder.
Das Kultusministerium des Landes Schleswig Holstein hat den Einsatz von Schulhunden als wichtig eingestuft, damit den Kindern der richtige Umgang mit Hunden nahe gelegt wird und sie die durch Medien verbreitete Angst vor den Vierbeinern verlieren. Der Hund wird somit wieder zum Begleiter des Menschen und gerade für Stadtkinder einer der wenigen direkten Kontakte zur Natur. [2]

Mein Programm

Man kann natürlich nicht einfach jeden Hund mit in die Schule nehmen, ohne dass dieser charakterlich gewisse Anforderungen erfüllt und ohne dass man sich vorher Gedanken darüber gemacht hat, was man genau machen möchte. Also habe ich Wochen vorher bereits ein Programm ausgearbeitet, das natürlich den Situationen entsprechend anpassbar war, aber doch einen roten Faden lieferte.

Regeln (sollten vor Kontakt mit dem Hund geklärt werden):
1.) Es wird nicht an den Ohren, den Haaren oder am Schwanz gezogen.
2.) Leise sein, denn der Hund hört viel besser als du.
3.)Es wird nicht rumgeschrien, denn Hunde hören viel besser als der Mensch.
4.) Ein Hund ist ein Lebewesen, er tut nicht immer genau das, was man möchte.
5.) Nicht vor dem Hund weglaufen.
6.) Ihn nicht beim Fressen stören.
Lernziele:
a) der richtige Umgang mit dem Hund
b) was kann ein Hund alles so, Arbeit mit dem Hund
c) schultechnisch bedingtes Lernen, spielerisch nebenbei
d) Vertrauen fassen, Verantwortungsbewusstsein, Respekt gegenüber Lebewesen und soziale Kompetenzen stärken

Aktiv

Trickkiste:
a) Pfötchen geben zur Begrüßung:
- Kinder lernen den Hund kennen, der Hund die Kinder
- Ängste werden genommen

b) Grundkommandos
- Die Kinder dürfen mit Leckerlis arbeiten, Sitz, Platz, Herrufen, etc. mit dem Hund trainieren

c) Trickkiste
- Lustige Tricks vorführen, die auch die Kinder mit dem Hund machen können. (Pfötchen, Rolle, Schämen, Schlafen, Kriechen, etc.)

Pflege und Versorgung:
a) Was frisst ein Hund? Inklusive Füttern.
b) Wassernapf hinstellen
c) Decke, Ruheplatz suchen
d) Bürsten
e) Allgemeines Streicheln
f) Anatomie des Hundes genauer kennenlernen (Zähne angucken, Pfote mit Krallen, etc.)
g) Körpersprache des Hundes besprechen

Schulwissen einbinden:
a) Hundenamen aufschreiben, bekannte Buchstaben suchen
b) Pfötchengeben zählen (Kinder suchen Zahl aus, müssen dann mitzählen, ob der Hund genau so oft die Pfote gibt oder Hund gibt Pfote, Kinder müssen zählen, wie oft und die richtige Zahl sagen)

Aktionen

a) Leckerliverstecken
Die Kinder dürfen Leckerlis verstecken, der Hund muss sie dann suchen/erschnüffeln
(Zum Matheüben können die Kinder mitzählen, wie viele Leckerlis versteckt wurden und wie viele der Hund findet)

b) Versteckspiel
Ein Kind versteckt sich, der Hund muss das Kind finden

c) Apportieren (draußen)
Fußballspiel, Frisbee/Ball werfen

d) Blinder spielen
Der Hund trägt Geschirr und Halsband. Ein Kind führt den Hund am Halsband, ein anderes bekommt eine Augenbinde um, spielt einen „Blinden“ und hält sich am Geschirr fest. Fördert die Teamarbeit zwischen Kind-Hund-Kind. Drei Lebewesen, die sich aufeinander abstimmen müssen. Fördert das Vertrauen des „Blinden“ in andere Lebewesen.

e) Hindernisparcours
Die Kinder bauen aus Alltagsgegenständen, Stöcken, etc. einen Hindernisparcours, den sie dann mit dem Hund zu überwinden versuchen. Fördert die Teamarbeit & das Einlassen auf ein anderes Lebewesen. (benötigt einiges an Zeit)

f) Tunnel
Die Kinder stellen sich gegenüber & fassen sich an den Händen. Sie bilden eine Reihe. Der Hund muss durch den entstehenden „Tunnel“ laufen.

Der reale Ablauf

© Animalia

Phase 1:
Zuerst hab ich eine Schulstunde ohne Hund unterrichtet. Wir besprachen den Körperbau des Vierbeiners, Regeln im Umgang mit dem Hund und zu guter Letzt eine Reihe von Bildern, an denen man die Körpersprache durchgehen konnte. Da die Klasse aber ziemlich unruhig war, wollte ich das Wissen lieber nochmal eine Stunde vertiefen.

Phase 2:
Wiederholung des Gelernten. Es war erstaunlich, wie gut sie sich erinnerten. Sie konnten an den kleinsten Merkmalen (Ohren, Rute, etc.) erklären, wie der Hund sich auf dem Bild fühlt.

Phase 3:
Dann war es so weit und ich konnte meinen Hund Samu mitbringen. Anfangs war er noch in einem Nebenraum, zu dem man durch eine Glasscheibe Einsicht hat. Nach und nach trudelten die Schüler ein. Später stand die halbe Schule im Klassenzimmer der Erstklässler und drückte sich die Nase an der Glasscheibe platt. Als dann endlich Ruhe einkehrte, haben wir nochmal die Regeln wiederholt und jeder durfte sich Samu „vorstellen“. Die Kinder waren hochmotiviert mit dabei. Für Samu war es natürlich absolutes Highlight von so vielen beschäftigt zu werden. Er machte die Tricks mit, ließ sich von allen bürsten, präsentierte seine Zähne, ließ die Kinder fühlen, wie rau die Pfoten sind, usw. Sogar die Spiele wie „Blinder“ klappten hervorragend. Die Kleinen waren so mit dabei, dass wir die kompletten ersten beiden Schulstunden durcharbeiteten, ohne kleine Pause, wie sie sonst eigentlich täglich gewöhnt sind und das auch normalerweise einfordern. In der Pause hat Samu sich hingelegt, etwas ausgeruht und danach war er wieder vollauf bereit, mit den Zwergen in den Wald zu stürmen, wo er Leckerlis ausbuddelte, Frisbee holte, durchs Gestrüpp tobte… Am Ende haben sie ihn alle nochmal ganz fest gedrückt und sich verabschiedet. Es war großartig zu sehen, wie viel die Kinder gelernt haben. In der Pause haben sie sogar angefangen, das Gelernte den anderen Kindern beizubringen. Kurzum, es war ein absolut erfolgreicher Tag. Und gerade dafür, dass sie auf einer Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung sind, waren sie sehr artig und konzentriert. Sie schafften es, hervorragend zusammenzuarbeiten und der soziale Stress innerhalb der Klasse hielt sich auf sehr geringem Niveau. Samu blieb allen positiv in Erinnerungen und die Kinder öffneten sich auch für tierschutzrelevante Fragen und erweiterten ihr Bewusstsein, was den richtigen Umgang mit einem tierischen Lebewesen betrifft.

[1] http://www.stadthunde.com/magazin/lifestyle/hunde-mit-jobs/schulhunde-im-einsatz.html
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Schulhund

Aktuell

Aufgrund vermehrter Anfragen möchten wir darauf hinweisen, dass wir kein eigenes Tierheim führen und daher keine Auslandseinsätze vermitteln können.

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