Schulhund, Teil 2

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© Animalia

Die Kinder haben immer wieder mal gefragt, wann „die Frau Otto denn mal wieder ihren Hund mitbringt“. Als dann eines Tages ein Schüler weinend im Klassenzimmer saß, weil er an seinen verstorbenen Hund denken musste und ein weiterer Hund weggegeben werden musste, habe ich nochmal mit der Lehrerin gesprochen und wir waren uns schnell einig, dass Samurai nochmal mitkommen sollte.

Phase 1

Bevor ich den Hund mitbringen wollte, mussten die altbekannten Regeln, die die zwei neuen Schüler noch gar nicht kannten, noch einmal wiederholt werden und so durfte ich eine weitere Hundeunterrichtsstunde gestalten. Es war erstaunlich, wie gut die Erstklässler sich noch nach bald 3 Monaten daran erinnern konnten. Jede einzelne Regel konnte von ihnen aufgesagt werden und auch die Bilder über die Körpersprache konnten sehr detailliert wiederholt werden, wobei die Kinder ein besonderes gutes Auffassungsvermögen für minimale Veränderungen wie z.B. Ohren- oder Rutenhaltung hatten. Da Wiederholungen Kinder schnell langweilen, hatte ich mir einige neue Sachen überlegt. So betrachteten wir ein Plakat mit Hunderassen, wo die Zwerge zeigen konnten, welche Rassen sie schon kennen, welche sie am schönsten finden und welche komisch aussehen. Jeder kannte den Dalmatiner und den Boxer, viele den Collie und den Pudel. Einer behauptete stur, einen „Spitz“ gäbe es nicht. Als er dann erfuhr, dass Spitze zu den ältesten Hunderassen gehören, gar in ähnlicher Form schon bei den Wikingern vorhanden waren, betitelte er den “Wikingerhund“ sofort als seinen Lieblingshund. Ein weiterer ungewollter Renner wurde der Boxer, der „aussieht, als sei er gegen eine Tür gerannt“. An einem Bild, der einen Chihuahua neben einer Dogge zeigt, wurden die Unterschiede der Rassen erkenntlich. Daraufhin begaben wir uns auf die Spuren der Ahnen der Haushunde. Von wem stammt der Hund ab? Jemand schlug Schäferhund vor. Ein anderer meinte, „von meinem Hund, der ist nämlich wild“. Es wurden einige Wildtiere vorgeschlagen, bis endlich „Wolf“ fiel und sie mit einem großen Wolfsbild belohnt wurden. Weiter ging es ganz spannend mit den „Hundeberufen“. Der Polizei- und Zollhund, der für die Kinder vor allem „Bomben sucht“, der Doktor-Hund, der sich als Rettungshund herausstellte, der auch „in einer Tornadostadt noch durch die Trümmer laufen kann“, der Blindenhund (und was der alles so Spektakuläres drauf hat), der Jagdhund ( „Förster haben sooooo ein schönes Leben. Den ganzen Tag durch den Wald laufen und mit seinem Hund spielen!“, meinte einer der Kleinen), der Hütehund, der auf Schafe aufpasst und sie zusammenhält, nicht sie bellend „verjagt“ und der Schlittenhund, der noch an eisigen Orten der Welt läuft, wo jedes Auto „einbricht und keine Straßen hat“. Die vielen nennenswerten Kommentare der Kinder würden hier leider den Rahmen sprengen. Weiter ging es mit einem Spiel, bei dem die Schüler erwachsenen Hunden ihre Welpen zuordnen mussten. Da landete zum Beispiel der Pudelwelpe beim Tibet Terrier.
Zu guter Letzt beendete ich die Stunde mit einem Rätselbild, auf dem sieben Hunde versteckt waren, die sie anmalen mussten.
Letztendlich waren zwei Schulstunden statt Einer daraus geworden, doch die Kinder arbeiteten so absolut motiviert und konzentriert, dass wir es einfach länger laufen ließen. Ich sagte ihnen, dass Samu gerne zu solch „kleinen Hundeexperten“ kommen dürfe. Daraufhin: „Aber verrat ihm nicht, dass wir nochmal geübt haben. Er soll überrascht sein!“

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Phase 2

Schwer beladen mit allem, was ich mir so für das Kind-Hund-Programm überlegt hatte, kamen Samurai und ich noch vor den ersten Schülern an. Der Border Collie steuerte zielstrebig den Klassenraum der Erstklässer an und sah sich dann enttäuscht darin um. Wo waren denn seine kleinen Freunde? Die ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Schon bald hörte man sie „Ist Hundi da?“ hinter der Tür rufen, aufgeregtes Geschnatter, aber sie betraten den Raum alle zusammen, ganz leise. Damit war es natürlich vorbei, als sie Samu sahen und ruck zuck war der Vierbeiner von einem Haufen ihn knuddelnder Kinder umringt. Er fühlte sich pudelwohl, wollte jeden Einzelnen abschlecken und begrüßen. Nach dem ersten Überschwung mussten sie dann erst mal auf ihre Plätze. Jeder durfte sich einen Trick überlegen, den er mit Samurai vorführen wollte. So musste er Rolle machen, „Schlafen“, sich Verbeugen, Rechnen und vieles mehr. Dann wurden Leckerlis unter Bechern versteckt, die er umwerfen musste, um an das Futter zu kommen.
Da wir am Tag zuvor ja die Hundeberufe besprochen hatten, spielte das „Suchen“ eine ganz zentrale Rolle. Immer abwechselnd durfte sich ein Kind verstecken und Samurai musste es suchen. Dabei prüfte er ganz sorgfältig mit der Nase die beiden Räume, sah auch in dem Mülleimer nach, versuchte in Regale zu schauen ( Das zweibeinige Stehen entlockte immer wieder Lachen) und ließ sich auch von den anderen anwesenden Kindern nicht stören. Motiviert, ruhig und konzentriert ging er an seine „Arbeit“ und die Kinder machten genauso gut mit. Später durften sich alle gleichzeitig verstecken und Samu hörte nicht auf, ehe er nicht auch den Letzten gefunden hatte. Dabei entdeckte er sie unter Stofftieren, Tischen, Stühlen, hinter den beiden Lehrerinnen, hinter der Tür und arbeitete sich durch Barrikaden von Schulränzen. Die Kinder schafften es, ganz ruhig zu sein, sich nicht zu verraten, immer wieder neue Verstecke zu suchen, um ihren „Retter“ mit Leckerlis oder Spielzeug zu belohnen. Samu ließ sich von ihnen die Augen zuhalten oder aus dem Klassenzimmer führen, damit er nicht „hörte“, wo sie sich versteckten.

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Irgendwann brauchte er dann eine Pause (die von mir zwangsverordnet wurde) und die Kinder durften ihn beim Trinken beobachten und seine Decke ausrollen. Von seinem Platz aus sah er dann entspannt zu, wie sie ihm ihr Mathewissen vorführten. Auch hierbei war die Atmosphäre in der Klasse sehr relaxt und konzentriert. In der dritten und vierten Stunde ging es dann nach draußen. Jedes Kind musste etwas tragen bzw. den Hund an Leine und Geschirr führen. Bis zur Wiese war es nicht weit, wo Agilitygeräte ausgepackt wurden. Slalom, Tunnel Reifen und Hürde. Wobei immer jeweils zwei Kinder die Hürden und den Reifen halten mussten. Mit dem Frisbee motiviert arbeitete Samu mal mehr, mal weniger gut mit, wenn jedes Kind mit ihm den Parcours bewältigen durfte. Dabei war sehr interessant zu sehen, welche Schwierigkeiten in der Körpersprache der Kinder auftraten, um dem Tier zu zeigen, was es tun sollte. Sie durften sich nicht nur auf ihre Stimme, „Hop“, verlassen, sondern mussten auch mit Fingerzeig, Körperstellung, usw. ihren Wunsch deutlich machen. Und auch wenn es mal mehrere Versuche benötigte, letztendlich kamen alle durch den Parcours und Samu sprang ausgelassen, mitten zwischen ihnen, seiner Frisbeescheibe hinterher. Natürlich mussten die Kinder alle Hindernisse auch selber ausprobieren, wobei sie ihre Motorik positiv förderten.
Dann durften sie Samu noch zur Abkühlung im Fluss baden lassen, ehe der Zeitdruck uns zurück zur Schule rief. Samurai wurde abgeholt und als die Agilitygeräte ins Auto geräumt wurden, lernten die Kinder auch noch seine vierbeinigen Kollegen Kenai und Kiara kennen. Beinahe wären neun Kinder mit drei Hunden einfach in die Schule abgehauen. Der Abschied fiel einigen sehr schwer. Sie bedankten sich bei Samu für den schönen Tag, drückten ihn noch einmal und da teils weinerliche Augen im Klassenzimmer saßen, musste versprochen werden, dass Samurai nicht das letzte Mal dagewesen war. Da ist der Hund doch sofort dabei!

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Fazit

Die Kinder, und auch Samurai, hatten wieder einen wunderschönen, lehrreichen Tag. Sie wurden aktiv, tauschten sich untereinander aus, stritten wenig und arbeiteten über eine lange Zeit sehr konzentriert. („Ich war doch heute echt nicht auf der Toilette“, kam von einem, der sonst meist schon nach der ersten Stunde rumzappelt.) Sie zeigten auch sehr gut, dass sie in der Theorie Besprochenes gut anwenden konnte. („Dem Samu wird´s zu viel, der legt die Ohren so nach hinten.“)
Die meisten meinen, der Samu sei ein einzigartiger Hund, so etwas hätten sie noch nie gesehen. Und auch wenn Samurai dem sicher zustimmen würde, zeigt das nur, wie wenig die Kinder heutzutage von Tieren wissen, selbst wenn sie Eigene Zuhause haben. Schön war auch zu sehen, dass gerade Kinde,r die soziale Probleme haben, d.h. nicht gut mit anderen Kindern spielen können, mit Samu keinerlei Probleme hatten und sich geradezu intensiv alleine mit ihm beschäftigen konnten. Als der Hund weg war, suchten sie dann aber auch meine Nähe, erzählten, dass der Tag schön war und nahmen gar Körperkontakt auf, was bei ihnen sonst nie der Fall ist. Auch der kleine Junge, der Angst vor Hunden hat, hatte Erfolge zu vermerken. So traute er sich gen Ende zum Beispiel Samu hinten – schön weit entfernt vom Kopf- zu streicheln und konnte ihm auf dem Schoß der Klassenlehrerin sogar ein Leckerli geben. Auf jeden Fall haben alle wieder viel gelernt und dabei Spaß gehabt. Vielleicht sehen sie jetzt ja Hunde – oder Tiere allgemein – mit anderen Augen.

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