Schulhund Teil 3

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Klassenfahrten sind immer aufregend. Vor allem für Erstklässler. Für drei Tage sollte es in ein „Naturfreundehaus“ in die landschaftlich wundervolle Ost-Eifel gehen.
Bei den Planungen kam das Thema zur Sprache, dass Samurai eigentlich perfekt „hineinpassen“ würde. Wir, zwei Lehrerinnen und ich, wollten die Klassenfahrt betont naturbewusst halten. Der Wald lag direkt vor der Haustür, die malerische Jugendherberge war von Bäumen und Wiesen umgeben. Mehr brauchte es nicht. Also wurde Samurai als „Überraschungsgast“ mitgenommen. Montagmorgens waren die Kinder schon sehr aufgeregt. Die Freude war umso größer, als ihr vierbeiniger Liebling auftauchte. Das Gepäck wurde verstaut und dann ging es mit einem Kleinbus und einem PKW los. Der Border Collie trug ein Auto-Brustgeschirr und konnte so ebenfalls angeschnallt werden.
Schnell war das Haus erobert und dann ging es nach draußen. Wir verbrachten, bis auf die Essenszeiten, fast die komplette Zeit draußen, auf dem Hof und im Wald. Den Kindern wurde nie langweilig und Samurai war natürlich immer mittendrin. Egal, ob man wild im Bach planschte – und danach wie die Schweinchen aussah -, „gefährliche“ Rutschberge hinaufkletterte oder wilde Stockkämpfe ausfocht. Und wenn die Kinder schnitzten, dann lag er in ihrer Nähe und bearbeitete seine Stöcke. Die meisten „Kunstwerke“ endeten sowieso als neues Spielzeug für den Hund. Wenn es für einzelne Kinder zu schwierig wurde, sich länger mit den anderen auseinanderzusetzen, bot Samurai eine wunderbare Alternative, um trotzdem mit jemandem zu spielen. Natürlich mussten sie auch mit dem „Konkurrenzkampf“ zurechtkommen. Es klappte ja auch, dass man zu dritt mit Samu spielte, aber manchmal wollte ein Kind ihn ganz für sich alleine haben – was der Hund aber nicht mitmachte. Er durfte selbst entscheiden und er war eben am liebsten bei allen gleichzeitig. Und wenn das Wetter dann mal umschlug und man für ein Weilchen nach drinnen musste, wurde eben Verstecken gespielt. Samu fand sie immer – auch unter den Matratzen.

Da der Hund jetzt nicht nur für wenige Stunden da war, musste er zu seinem eigenen Schutz auch „Zwangspausen“ einlegen. Mal entspannte er sich während der Essenszeiten in meinem Zimmer, hin und wieder mussten aber auch die Kinder lernen, dass der Hund in ihrer Nähe auf seiner Decke lag und dort nicht gestört werden durfte. Auch wenn Kuscheleinheiten immer mal wieder erlaubt waren. Samurai begegnete den Kleinen mit gewohnter Engelsgeduld. Dabei entschied das intelligente Tier sehr gut selbst, wann er auf Kommandos hören wollte und wann nicht. Wenn z.B. drei Kinder „Sitz!“ „Down“ „Samu, hier!“ durcheinander riefen, schaltete er manchmal auf taub, was die Erstklässler auch respektieren mussten. Montagabend sahen wir uns einen Film über Fledermäuse an, mit anschließendem Vortrag. Wie um die Autorität der Seminarleiterin zu unterstützen, legte Samurai sich zu ihren Füßen schlafen.

Danach ging es nach draußen, wo im Halbdunkel mit einem bestimmten Sonargerät Fledermäuse aufgespürt wurden. Die Kinder waren dabei sehr leise und konzentriert. Für viele war das „Waldleben“ leider völliges Neuland. Sie wussten weder, wie man sich motorisch in der Natur bewegte (kein Kind schaffte die Zeit ohne kleine Blessuren), noch war ihnen die Tierwelt bekannt. („Ein Hase! Guck mal, ein echter Hase!“) In Becherlupen wurden Insekten eingefangen, kurz betrachtet und dann vorsichtig wieder dort freigelassen, wo sie sie gefunden hatten. Einmal gab es auch die Diskussion, wo denn Salami herkäme. „Das kommt vom Tier!“ „Nein, hast du denn schon einmal ein Tier mit Salami gesehen?!“ „Ja, aber hast du schon einmal einen Salamibaum gesehen?!“ „Aber wo soll die Salami denn am Tier hängen?“ Sie kennen Salami eben nur schön anonym verpackt. Samurai durfte überall dabei sein. Glücklicherweise waren die Leiter des Jugendhauses große Naturfreunde, sodass der Hund sogar auf dem Hof immer frei bei den Kindern mitlaufen durfte. Dabei achtete er ganz genau auf seine „Schäfchen“ und flitzte gleich los, wenn einer sich etwas weiter entfernte. Dabei war sehr schön zu beobachten, wie die Kinder sich untereinander austauschten, sozial reiften und dabei auch noch andere Lebewesen mit in Betracht ziehen konnten. So wurde immer wieder von einem Kind betont, dass man in Samus Nähe nicht zu laut sein durfte. Desweiteren brach einmal fast Panik aus, als ein Auto kam und sie glaubten, Samurai könnte etwas passieren. Auch wurde bei jedem Essen die Frage gestellt, ob Samu denn auch schon etwas bekommen hätte. Dabei musste öfters betont werden, dass Hunde sich besser nicht von Gummibärchen und Keksen ernähren sollten. So wurden lieber großzügig Leckerlis verteilt. Schon morgens früh um 7.00 Uhr standen die Ersten auf der Matte, bereit, mit Samurai die Morgenrunde zu drehen. Wir sprachen auch viel darüber, dass ein Tier einem nicht „gehört“ und nicht mit einem Geldwert zu vergleichen ist. Interessanterwiese musste man das Wort „adoptieren“ erst erklären. Auch der Junge, der Angst vor Hunden hat, war immer wieder neugierig. Er versuchte Kommandos aus der Ferne zuzurufen, oder Samu an der Leine zu führen, ohne ihn dabei berühren zu müssen.

Nach drei Tagen waren dann alle hundemüde – aber glücklich. „Können wir nicht für immer und ewig hierbleiben?“ „Am schönsten war, dass der Samu dabei war!“ „Der Samu gehört nicht mehr dir, der gehört jetzt uns allen!“ Wir mussten den Kindern kein Programm geben. Alles, was sie brauchten, war der Wald, Taschenmesser, Stöcke, Wurzeln, Matschhosen - und ein Hund. Wirklich alle Kinder waren absolut begeistert und für uns Erwachsene war es schön, ihnen ein Stück Natur zurückzugeben. Wenn auch nur auf Zeit.

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