Jagd

Ihren Ursprung hat die Jagd bereits in der Steinzeit, als die Menschen sich ihre Nahrung noch selbst erlegen mussten. Mit der Zeit entwickelte sich die einst lebensnotwendige Handlung allerdings zunächst zur Freizeitbeschäftigung für Adelige, nur noch wenige Menschen betrieben sie, um ihre Existenz zu sichern. Heutzutage übt der Großteil der Jägerschaft sie als "Hobby" aus.

Dabei sehen sich die Jäger als Naturschützer, die den Wald durch Regulierung des Wildbestandes vor Schäden schützen wollen. Allerdings gibt es deutlich unterschiedliche Formen der Auslegung, denn die Jagd wird kontrovers diskutiert. [1]
Es gibt in Deutschland in etwa 375.000 Jäger, von denen der Großteil zum Deutschen Jagdverband gehört und das Töten von Tieren als Hobby ausübt. Nach außen hin wird die Jagd zur Eindämmung der Wildtierbestände gerechtfertigt, die kranke und alte Tiere aussortiert und so die Zahl im Rahmen hält. Allerdings werden offiziell jährlich 5,5 Millionen Tiere geschossen, wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen dürfte und so viele kranke Tiere kann es nicht geben. [2] Denn in Wirklichkeit schießen viele Jäger nicht die kranken Tiere, sondern die mit dem schönsten Geweih, weil sich das an der Wohnzimmerwand am besten macht. [3]
Dazu kommt, dass die richtige Ausübung der Jagd schwer zu kontrollieren ist, sodass viele Tiere auch einfach aus der "Lust" am Schießen getötet werden. Richtig ist zwar, dass der Wildtierbestand in den letzten Jahren angestiegen ist, bei den Rehen z.B. in den letzten zwanzig Jahren um ca. 150 000 Tiere auf 1 138 593 (Jahr 2010/2011) [4], aber nur weil die Jäger an der völlig falschen Stelle ansetzen.

Verkehrsopfer Reh © Dokumentiere

Jagd = Umweltschutz?

Ursprünglich ist das Reh ein tagaktives Tier, das sich zum Fressen auf freien Flächen aufhält und nicht im Wald. Durch die zunehmende Zerstörung der Landschaft durch den Menschen und die daraus folgende zunehmende Störung der Rehe in ihrem Tagesrhythmus, werden diese in den Wald getrieben und verbeißen dort die jungen Bäume, sodass das empfindliche Ökosystem des Waldes in ein Ungleichgewicht gerät.
Normalerweise würden die Rehe auf andere Pflanzen als Nahrung zurückgreifen [3] und den Wald nicht übermäßig schädigen, aber daran hindert sie der Mensch selbst durch sein Eingreifen in deren Lebensraum. Die Rehe werden durch Störungen am Tag, wie z.B. Landwirtschaft, Spaziergänger, Straßenverkehr oder eben auch die Jäger, in den Wald vertrieben und trauen sich erst nachts auf die freien Flächen, wo dann wiederum der Jäger auf sie wartet und sie durch Abschüsse in den Wald vertreibt. Dabei greifen die Jäger oftmals auch zu drastischen Mitteln wie bei der sogenannten Treibjagd bei der mehrere Jäger die Tiere durch den Wald auf einen bestimmten Punkt treiben, wo dann andere Jäger warten um sie zu schießen. Dort entsteht für die Tiere ein riesiger Stress, weil sie in Panik versuchen zu fliehen, wenn von allen Seiten geschossen wird. [2]

Außerdem fällt ein großer Teil der Rehe den Störungen durch den Straßenverkehr zum Opfer. [1] Straßen wurden vielfach mitten durch Wälder gebaut und Rehe versuchen zu flüchten, wenn sie eine Gefahr erkennen. Dadurch passieren sehr häufig Wildunfälle, die auch für den Menschen selbst gefährlich sein können. Gerade bei den genannten Treibjagden geschieht sowas vermehrt, da die Tiere in Panik fliehen und nicht mehr auf andere Gefahren achten und die Jäger die Tiere nicht in eine bestimmte Richtung lenken.

Verkehrsopfer Fuchs © Dokumentiere

Trotzdem sollte der Anstieg des Rehbestandes kein Freibrief dafür sein, einfach wild drauflos zu schießen. Denn die Steigerung der Zahlen ist ein Widerspruch zu der Rechtfertigung der Jäger. Sie dämmen ja angeblich zum Schutz des Waldes die Zahlen ein und erlegen nur Tiere, die eine geringe Überlebenschance haben. In Wirklichkeit schießen Jäger aber eher ohne erkennbaren Grund und steigern mit falschen Abschüssen sogar die Zahlen der Tiere. Denn die Natur gleicht den Verlust von Tieren automatisch mit steigenden Beständen aus, die Jäger sind also kontraproduktiv.Gerade bei Wildschweinen wird es zurzeit sehr deutlich. Normalerweise vermehren sie sich nicht so extrem, dass sie ihre Reviere auf Großstädte ausdehnen, doch zum einen finden sie durch die immer höhere Zahl an Maisanbauflächen ideale Lebensräume und zum anderen schießen viele Jäger um den Bestand eindämmen zu wollen, willkürlich irgendwelche Tiere. Dabei erlegen sie oft die sogenannte "Leitbache", die sich eigentlich als einzige fortpflanzt und dadurch vermehren sich auch die anderen Bachen einer Herde und es kommt zu einer Bestandssteigerung.[2]

Jagd als Alternative zur Massentierhaltung?

Ein weiterer Punkt ist, dass Jäger zum Teil Abschüsse rechtfertigen, weil sie das Fleisch der Tiere verwerten, was aber nur in einem sehr geringen Bereich zutrifft. Und ganz ungefährlich ist es auch nicht, das Fleisch zu essen, denn in Deutschland ist die Benutzung bleihaltiger Munition noch nicht verboten und somit kann Blei im Fleisch enthalten sein. Bleihaltige Munition belastet die Umwelt, denn es ist giftig für Mensch und Tiere und durch falsch geschossene Kugeln gelangt es in den Nahrungskreislauf und vergiftet z.B. Aasfresser, die sich von einem erschossenen Tier ernähren. [1]
Auch für den Menschen ist der Verzehr von mit bleihaltiger Munition geschossenen Tieren nicht unbedenklich. Das Bundesamt für Risikobewertung rät in einem Beitrag vom 19.9.11,"dass die Bleiaufnahme über Lebensmittel dort, wo es möglich ist, vermieden werden sollte. Das BfR empfiehlt daher, bei der Jagd Munition zu verwenden, deren Geschosse kein Blei in das gewonnene Wildbret[geschossenes Tier]abgeben."[5]
Die Nutzung bleifreier Munition wäre mit Sicherheit besserer Umweltschutz.

Natur ohne Jagd

Ein Zusammenleben verschiedener Tierarten ohne die "Regulierung" des Menschen ist durchaus möglich, wie man im Schweizer Nationalpark im Engadin sehen kann. Hier greift der Mensch gar nicht ein und durch die Wiederansiedlung größerer Beutegreifer reguliert sich der Bestand von selbst. Arten wie Bär, Wolf und Luchs konnten dorthin zurrückkehren, statt wie früher vom Mensch ausgerottet zu werden, da sie als Nahrungskonkurrent angesehen wurden. [6] Dieses Konkurrenz-Denken legen aber auch heute noch viele Jäger an den Tag, obwohl es völlig überholt ist. Im Bundesjagdgesetz ist es erlaubt sogenanntes "Raubwild" zu erlegen, um die Natur zu schützen, was völlig unbegründet ist. Dazu zählt auch, dass Katzen oder Hunde aus dem Weg geschafft werden dürfen, damit sie dem Jäger nicht seine Beute wegnehmen. Für das Beseitigen dieses Raubwildes wird z.T. die Fallenjagd angewandt, was aus tierschützerischer Sicht längst verboten sein sollte.
Der Jagdverband verweist zum Thema Fallenjagd auf eine Homepage, die zwar seit 2002 nicht mehr aktualisiert wurde, aber dennoch die Meinung deutlich wiederspiegelt: "In der heutigen Zeit ist es für jeden Revierinhaber und berechtigten Jäger unerlässlich das Raubwild dort wo es vorkommt stark zu bejagen." Es werden diverse Möglichkeiten vorgestellt um Fuchs, Waschbär, Wiesel, usw. zu "bekämpfen". Für einen Wiesel wird eine sogenannte Wippbrettfalle vorgeschlagen, in der das Wiesel dann solange gefangen ist, bis der Jäger es findet und in einem Sack erschlägt. [7] Viele Tiere verhungern und verdursten langsam in diesen Fallen, weil die Jäger sie nicht regelmäßig kontrollieren und außerdem kann nicht sichergestellt werden, ob sich spielende Kinder ebenso in den Fallen verletzen können. [3]

Diese Katze wurde Opfer eines Jägers © Abschaffung der Jagd

Abschuss von Haustieren

Für die Haustiere stellt der Jäger aber eher eine Gefahr dar, als dass ein Hund einen kompletten Wildtierbestand ausrottet. Für die Jäger ist es leicht den Abschuss eines Hundes damit zu rechtfertigen, dass er ein Reh wildern wollte, obwohl er einfach nur die Nase auf dem Boden hatte und eine Fährte gesucht hat, was für Hunde ja schlichtweg normal ist. Schließlich steht im deutschen Jagdrecht: "Hunde, die Wild aufsuchen oder verfolgen und die im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung ihres Herren, und Katzen, die in einer Entfernung von mehr als 200 m vom nächsten Haus, angetroffen werden, zu töten. Dieses Recht erstreckt sich auch auf Katzen, die sich in Fallen gefangen haben." [8] Und für einen Jäger ist es leicht zu behaupten, dass er der Meinung war, ein Hund hätte versucht etwas zu jagen und deshalb hätte er ihn erschießen müssen. So kommt es jährlich zu 40 000 erschossenen Hunden und 300 000 erschossenen Katzen durch uneinsichtige Jäger. [9]

Fazit

Der Mensch müsste keinen Tierbestand eindämmen, ob nun aus "ökologischer" Sicht oder nur auf der Jagd nach dem größten Geweih, wenn er das natürliche Gleichgewicht zwischen den einzelnen Stufen der Nahrungskette zulassen würde. So gibt es vielleicht eine gefährdende Anzahl an Rehen für den jungen Baumbestand, aber auch dazu hat der Mensch entscheidend beigetragen und das würde sich regulieren, wenn Tiere wie Wolf, Bär oder Luchs sich so verbreiten könnten, wie es natürlich ist. Dann müsste kein Mensch aus nicht gerechtfertigten Gründen zum Gewehr greifen. Wenn man wirklich nur z.B. ein angefahrenes Tier von seinen Qualen erlöst, kann der Griff zur Waffe gerechtfertigt sein, aber normalerweise gibt es für die Jäger wohl andere Motivationen und niemand kann es verlässlich kontrollieren, ob ein Abschuss wirklich gerechtfertigt ist. Die meisten Jäger haben ein riesiges Gebiet für sich allein, in dem sie niemand kontrolliert und darunter müssen Millionen Wildtiere leiden.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Jagd
[2] http://www.pro-iure-animalis.de/dokument...g_bozen_www.pdf
[3] http://www.abschaffung-der-jagd.de/jaegerluegen/index.html
[4] http://www.jagd-online.de/datenfakten/?meta_id=255
[5] http://www.bfr.bund.de/de/ fragen_und_antworten_zum_verzehr_von_wild__das_mit_bleihaltiger_munition_geschossen_wurde-127659.html
[6] http://www.nationalpark.ch/go/de/about/ueber-uns/grundlagen/
[7] http://www.fallenjagd.de/
[8] http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=487&Itemid=66
[9] http://www.abschaffung-der-jagd.de/opfer/haustiere/index.html

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