Heimische Wildtiere

Normalerweise leben Wildtiere eher versteckt und lassen sich nur selten in menschlicher Gegenwart blicken. Wenn sich Mensch und Wildtier aber doch mal begegnen, kommt es häufig zu Konflikten, weil der Mensch durch Straßenbau, zunehmende Bebauung und Waldabholzung zu sehr in die Natur eingreift oder mit falsch verstandener Tierliebe mehr schadet als hilft.

Ein klassisches Beispiel für die oftmals übertriebene Reaktion des Menschen gegenüber Wildtieren sind vermeintlich hilflose Jungvögel, die von den Findern mitgenommen werden, damit sie sie zuhause großziehen können. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass sie dem Vogel damit nur schaden, denn meistens sind diese Vögel keineswegs hilflos, sondern einfach noch nicht komplett ausgewachsen, aber schon so groß, dass sie ihr Nest verlassen. Vielleicht sind sie auch bei einem Sturm vom Baum gestürzt. [1] Menschen, die Vögel zuhause aufziehen wollen, haben in den seltensten Fällen die nötige Fachkenntnis über die artgerechte Pflege und auch Tierärzte sind oft damit überfordert. Wildtierstationen besitzen für die Wildtieraufzucht zwar die nötige Kompetenz, aber auch hier gibt es irgendwann das Problem, dass manche Vögel zwar ausgewachsen, aber nicht allein lebensfähig sind, weil sie zu sehr an den Menschen gewöhnt wurden. Diese Vögel müssen dann den Rest ihres Lebens in menschlicher Obhut statt in der freien Natur verbringen und können nicht wieder ausgewildert werden. [2] Nur weil ein Vogel einen verlassenen Eindruck macht, ist das kein Zeichen dafür, dass er nicht trotzdem noch von seinen Eltern versorgt wird. Wenn ein Jungvogel nicht sichtbar verletzt ist, genügt es, ihn eine Weile aus der Ferne zu beobachten, gegebenenfalls auf einen Ast zu setzen, damit er vor Fressfeinden sicher ist und nach ein paar Stunden noch einmal nachzuschauen, ob sich die Eltern um ihn kümmern.[1] Gerade bei den nachtaktiven Eulen kann es den Anschein machen, dass Jungvögel verlassen sind, obwohl die Eltern immer erst in der Dämmerung kommen, um sie zu füttern. [3]

Dieses Reh wurde von Jägern vor dem Mähtod bewahrt © Kevin Winterhoff

Bei jungen Säugetieren wie z.B. Rehkitzen oder Fuchswelpen gibt es oft ähnliche Fälle, nur kann der Mensch hier durch sein Eingreifen noch mehr Schaden anrichten. Im Gegensatz zu Vögeln nehmen Säugetiere den menschlichen Geruch an ihrem Nachwuchs nämlich wahr und kümmern sich dadurch in manchen Fällen nicht mehr um ihn, sodass die Jungtiere verhungern oder Beutegreifern zum Opfer fallen. Rehkitze werden von ihren Müttern im hohen Gras "versteckt", man kann ihnen also leicht bei einem Spaziergang begegnen und den Eindruck bekommen, dass sie Hilfe benötigen. Dennoch gelten hier dieselben Regeln wie bei Jungvögeln und man darf sie auf keinen Fall einfach mitnehmen. Generell sollte man bei Jungtieren eher Abstand einhalten, denn die Muttertiere halten sich meistens versteckt in der Nähe auf [4] und reagieren wie z.B. Wildschweine manchmal auch aggressiv auf Menschen, weil sie verständlicherweise ihren Nachwuchs verteidigen wollen. [5]

In einigen Fällen ist aber zumindest bei Rehkitzen ein menschliches Eingreifen notwendig, da viele Landwirte ihre Wiesen möglichst früh abmähen und die Rehkitze dann noch nicht groß genug sind, um selbst weglaufen zu können. So verharren sie bei Gefahr regungslos und fallen vielfach den Mähmaschinen zum Opfer, weil die Landwirte auch nicht jede Wiese vorher absuchen. Doch dafür gibt es mittlerweile auch gezielte Aktionen von Naturschutzverbänden oder auch Jägern[6] und auf einigen Wiesen kommt gezielt hochmoderne Technik in Form von Wärmebildkameras und Helikopter-Drohnen zum Einsatz. Diese Geräte erkennen die Rehkitze durch die Wärme, die sie mit ihrer Körpertemperatur abgeben. Trotzdem wird damit natürlich nicht jede Wiese abgesucht.[7]

Auch im eigenen Garten kann man den Wildtieren helfen zu überleben. Viele Gärten sind heute in erster Linie nach Trends in Lifestyle-Zeitschriften und nicht wie natürliche Lebensräume gestaltet. Doch gerade wenn man den Garten ein bisschen mehr sich selbst überlässt, siedelt sich eine Vielzahl von Tierarten an. [8] Vor allem im Winter bietet sich dann die Möglichkeit, die Tiere gut beobachten zu können ohne sie zu stören, indem man, wenn der Boden gefroren ist, Vögel, die nicht in den Süden fliegen, zufüttert, weil sie einfach nicht mehr genug naturbelassene Plätze haben, wo es auch im Winter Futter gibt. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass sie davon zu abhängig werden, weshalb man nur bei gefrorenem Boden bzw. geschlossener Schneedecke füttern und auch nur spezielles Vogelfutter (kein Brot o.ä.!) verwenden sollte. [9]

Bei geschlossener Schneedecke oder gefrorenem Boden ist es in Ordnung, Vögel zu füttern. © Animalia

Wildtiere wie der Igel profitieren ebenfalls von naturnahen Gärten, da sie Winterschlaf halten, wofür Laubhaufen ideal sind, um sich darin eingraben zu können und bei kalten Temperaturen nicht zu erfrieren. Doch auch sie werden oftmals von Menschen aufgenommen, die sie für hilflos halten, dabei braucht ein Igel erst Hilfe, wenn es draußen schon friert oder Schnee liegt und er orientierungslos herumläuft und unterernährt ist. Normalerweise fressen sich Igel vor dem Winterschlaf eine Fettschicht an, um in der kalten Jahreszeit nicht zu verhungern. Trotzdem kann es sein, dass sie für kurze Zeit auch mal im Winter auf Futtersuche sind. Deshalb ist es wichtig, auf den Gesundheitszustand des Igels zu achten und gegebenfalls die Hilfe einer professionellen Wildtierstation aufzusuchen. [8]

Den Wildtieren wäre jedoch am besten damit geholfen, wenn wir Menschen versuchen würden, ursprüngliche, nationale Tierarten zu erhalten und Fehler, die früher gemacht wurden, wieder auszugleichen. So wurden damals viele größere Säugetierarten wie z.B. der Wolf, Bär oder Luchs vom Menschen hemmungslos ausgerottet, weil sie als Nahrungsrivalen galten. [10] Durch aufwendige Schutz- und Auswildungsmaßnahmen beginnen sich diese Tiere zumindest in manchen Gebieten wieder anzusiedeln. Trotzdem lässt der Mensch den Tieren oft zu wenig Platz, damit beide Parteien friedlich nebeneinander leben können ohne miteinander in Konflikt zu geraten. [11] Großflächige, dichte Wälder gibt es in Deutschland heute kaum noch und so passiert es eben auch hin und wieder, dass die beiden Seiten aufeinander treffen - worüber man sich im Übrigen freuen sollte.

[1] http://www.tierschutzbund.de/jungvoegel.html
[2] http://www.wildvogelhilfe.org/aufzucht/aufzuchtgefahren.html
[3] http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voeg...axis/01945.html
[4] http://hamburg.nabu.de/themen/wildtiere/
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Wildschwein....BCber_Menschen
[6] http://www.tierschutzbund.de/ernte_wildtiere.html
[7] http://derstandard.at/1336698349471/Mili...reschern-retten
[8] http://www.tierschutzbund.de/igelschutz.html
[9] http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voeg...nterfuetterung/
[10] http://de.wikipedia.org/wiki/Braunb%C3%A4r
[11] http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/w...rund/06201.html

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